aus Kölner Stadt-Anzeiger vom Freitag, 9. Januar 1998
Der Kölner an sich ist ausgesprochen gerne Kölner. Voller Stolz schaut er auf seine Stadt als Medien-, Kultur- und Kneipenmetropole sowie auch als Standort der dazugehörigen Brauereien. Mit Wohlgefallen nimmt er zur Kenntnis, dass seine Kommune durch Dom, romanische Kirchen und ihre mehr als 2000jährige Geschichte weltweit Beachtung findet. Schon der Name Köln verweist auf die glorreiche Vergangenheit, ist er doch von "Colonia Claudia Ara Agrippinensium" abgeleitet. Das bezog sich auf Kaiser Claudius und Kaiserin Agrippina, die den Bewohnern und ihrer Siedlung das römische Stadt- und Bürgerrecht verliehen und Köln so zur "Kolonie" machten. Eine tolle Geschichte; insbesondere, wenn der Kölner sie mit den Geschichten der umliegenden Städte vergleicht. Bonn im Süden ist zwar fast genauso alt, war seinerzeit aber nur ein Fischerdorf - bevor die Römer im Jahre 50 das Legionärslager Castrum Bonnensia errichteten. Wobei das doppelt gemoppelt ist, denn das lateinische "Castrum" bedeutet Kastell und das keltische "Bona" Burg. Kastellburg also. Nun ja. Im Nordosten übersieht der Kölner gnädig das weitgehend traditionslose Leverkusen, nach einem Chemiker des 19. Jahrhundert namens Karl Leverkus benannt - das sagt eigentlich alles- und stößt auf Solingen. Immerhin schon 1420 erhielt die Gemeinde das Stadtrecht. Auch hier spricht der Name für sich: Solingen ist vom althochdeutschen "Solag" abgeleitet, was treffend als "Suhle" übersetzt wird, worin sich bekanntlich die Schweine... doch genug davon. Mit der ganzen Wucht der ihm zu Gebote stehenden Verachtung wendet der Kölner nun seinen Blick auf Düsseldorf, dieses aufgeplusterte Etwas, dessen Bewohner offenbar aufgrund eines angeborenen Sprachfehlers nicht mal zu Alaaf-Rufen in der Lage sind. Dieses Düsseldorf also bedeutet nichts weiter als "Dorf an der Düssel", welche ein völlig unbedeutender Fluß ist und jeden weiteren Kommentar überflüssig macht. Warum wir das alles erzählen? Aus aktuellem Anlaß. Die Bewohner der nordfranzösischen Stadt Chalons-sur-Marne haben beschlossen, den alten Namen ihrer Stadt zu ändern: in Chalons-en-Champagne. Der Fluß Marne soll der Champagne weichen, auf dass der Edel-Sekt im Stadtnamen mehr Besucher anziehe. Da könnte man auch Frankfurt am Main in "Frankfurt am Äppelwoi" umtaufen oder Köln in "Kölsch". Für solchen Firlefanz ist der Kölner aber viel zu gerne Kölner und trinkt zu gerne Kölsch.
Stefan Sauer